Fan sein heisst auch leiden

Gestern war ich im Stadion beim Spiel FC Basel – Tottenham Hotspur. Gleich vorweg: Ich bin seit 1986 Fan der Spurs. Und natürlich trug ich auch mein Spurs-Trikot beim Spiel.

Es war keine schöne Erfahrung. Und trotzdem bin ich nicht wirklich überrascht, dass Tottenham gegen Basel aus dem Cup geflogen ist. Nicht weil Basel zu stark für die Spurs wäre, sondern weil ich mich nichts anderes von Tottenham gewohnt bin. Die Lilywhites starten seit ich mich erinnern mag immer stark in die Saison und bauen dann ebenso stark gegen Ende ab. Und sollten sie einmal nahe an ein grosses Erfolgserlebnis kommen, kann man als Fan sicher sein, dass man enttäuscht wird.

Man könnte für die gestrige Niederlage viele Gründe anführen. Zu viele hochkarätige Absenzen (Lennon, Defoe, Bale, Gallas, …), fehlendes Abschlussglück, das übliche Penaltypech englischer Mannschaften. Basel war nicht unbedingt besser. Trotzdem war der Sieg über beide Spiele gesehen verdient.

Doch solche Analysen sollen bitte die Profis, die Sportreporter, machen.

Was mir aber in Gesprächen vor dem Spiel aufgefallen ist: Basel-Fans waren sogar schon vor dem Hinspiel in London überzeugt, dass ihr FCB den Einzug in die Halbfinals schaffen kann. Ich als Tottenham-Fan hab immer entgegnet, dass die Spurs nur mit Glück weiterkommen können. Ist das nun ein psychologischer Vorteil für die Basler? Sind diese Gedanken auch in den Köpfen der Spieler? Immerhin kennen Basler Spieler und Fans Niederlagen ja mehrheitlich nur vom Hörensagen. Und sollte der FCB trotzdem einmal verlieren, dann war es meist keine wichtige Partie – und der Meistertitel/Cuptitel trotzdem Tatsache.

Das alles sind natürlich nur unfertige Gedanken, die ich vor den Spielen hatte.

Und noch zwei kleine Anmerkungen:
1. Mein Sitznachbar gestern – ein FCB-Fan – meinte, dass mit dem Sieg gegen Tottenham wohl auch klar sei, dass der FC Basel momentan in der Premier League sicher auch mindestens Platz 3 erobern könnte. Was natürlich absoluter Blödsinn ist. Ich habe ihm dann entgegnet, dass im Umkehrschluss dann der FC St.Gallen ja auch auf dieser Position sein müsste, schliesslich haben die beiden Mannschaften in der aktuellen Saison in den Direktbegegnungen gleich viele Punkte geholt.
2. Wie doof dieser Sitznachbar übrigens war, zeigte sich dann beim Penaltyschiessen. Als Adebayor zum Punkt schritt, machten er und seine Freunde laut Affengeräusche (übrigens auch sonst ziemlich viele Leute um mich herum).

Ein Gedanke zu “Fan sein heisst auch leiden

  1. Das könnte ein Bericht eines Young-Boys-Fans sein. Mir jedenfalls kommen diese Töne zur „eigenen“ Mannschaft doch sehr bekannt vor.

    Dass die Zuschauer rassistisch agieren, ist schlicht widerlich. Und mir soll keiner mehr kommen, dass das Rassismus-Potenzial bei Schweizer Bürger/innen in Schweizer Stadien überbewertet wird. Latent ist es eben da und auch immer wieder zu vernehmen.

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